Sabine Meyer und Natalia Gärtner

Der Erzählabend Märchen(T)Räume

Wenn Märchen wahr werden – Der Erzählabend des Projektes

Das Erzählprojekt Märchen(T)Räume schuf Frauen mit Migrationshintergrund neue Räume, einander zu zu hören und zu erzählen. Die Märchen der unterschiedlichen Kulturen waren dabei das Verbindungselement über Grenzen hinweg und der Spiegel der eigenen Lebenserfahrungen. So wurden in dem 7monatigen Projekt, das im April 2010 begann, Volksmärchen verschiedener Kulturen erzählt und gehört und letztendlich erfunden. Gemeinsam wurden ähnliche Geschichten, Handlungen und Symbole entdeckt und im Zusammenhang mit den kulturellen Unterschieden und der eigenen Lebenserfahrungen gedeutet.

Dabei erkannten wir, dass es nicht nur das Aschenputtel der Gebrüder Grimm aus Deutschland gibt, sondern auch ein ähnliches Märchen aus Russland: Die weise Vasalisa und die Baba Jaga. Und in vielen anderen Volksmärchen begegneten uns altbekannte Figuren. So verbinden die Märchen die Kulturen dieser Erde zu einer gemeinsamen Welt.

Mit Freude und Spaß lernten die Teilnehmerinnen über die Zeit, selbst Märchen zu erzählen. Die freie und bildhafte Sprache der Märchen macht es möglich, aus dem Herzen zu erzählen. Und so mischten sich bald die Volksmärchen der unterschiedlichen Kulturen mit eigenen Lebenserfahrungen. Und neue, eigene Geschichten entstanden – die eigenen Geschichten von Träumen und Wünschen, Hoffnungen und Freude, von unserem Woher und Wohin. So wurde die eigene Geschichte zum Ausdruck der eigenen Identität. Die Erzählerin nimmt sich als Teil des Ganzen wahr, ihr wird zugehört, sie wird geachtet.

Doch nicht nur die Geschichten wurden bei den Treffen erfunden, die Frauen setzten sich auch mit ihrer Stimme auseinander. Sie übten die Aussprache und die Stimmressonanz, erlebten ihre eigene Sprachmächtigkeit und die Wirkung ihrer Worte im geschützten Miteinander der Gruppe. Sie erfuhren Unterstützung und Ermutigung untereinander, sie halfen einander dabei die Geschichten zu erfinden, die Sprache zu erleben und vor allem das Lampenfieber zu besiegen. Und so standen sie gemeinsam füreinander ein und miteinander auf einer Bühne, dort wo noch keine von ihnen jemals gestanden hatte.

Eine Auswahl der Geschichten, die die Frauen selbst erarbeiteten und Märchen aus den verschiedenen Kulturen wurden am 8. Oktober 2010 bei einem gemeinsamen Erzählabend im Renaissancesaal des Steinwerks Ledenhof vorgestellt. Geschichten, die noch nie erzählt wurden, von Frauen, die mit ihrem Herzen und ihrer Stimme das Publikum bewegen konnten. Sie erzählen von der kleinen, grauen Maus, die Freunde sucht, von einer Familie, die im Unglück das Glück doch noch fand und von dem Teichkönig, dessen Krone golden glänzt. Jede Geschichte für sich ist einzigartig, ein Unikat. Begleitet wurden die Erzählerinnen an diesem Abend von Christoph Guddorf am Flügel, der für die vielen Geschichten die richtigen Melodien fand. Die Geschichten können in der Broschüre „Märchen(T)Räume“ nachgelesen werden.

Und viele Menschen kamen, um ihnen zu zu hören! Ihnen und ihren Geschichten, ihren Träumen und Wünschen. So blieb im Renaissancesaal des Steinwerks Ledenhof kein Platz mehr leer. Und Freunde, Verwandte, Bekannte und viele Gäste lohnten sieben Monate Arbeit mit viel Applaus!


Die Geschichten können in der Broschüre „Märchen(T)Räume“ nachgelesen werden. Die Broschüre ist kostenlos beim Erzähltheater Osnabrück erhältlich.

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