Sabine Meyer und Natalia Gärtner

Grenzenlose Geschichten – Bilder lassen Geschichten leben

Generationsübergreifendes Erzählprojekt im Haus Ledenhof, Osnabrück – Erzählerin Sabine Meyer stellt Geschichten vor

Wir alle lieben Märchen und Geschichten. Wir sitzen beim Essen und erzählen uns, was gestern an der Bushaltestelle geschehen ist. Wir kommen nach der Arbeit, nach der Schule oder nach dem Kindergarten nach Hause und sind angefüllt mit Erlebnissen und  Bildern, die wir einander erzählen wollen. Wir alle lieben es von uns zu erzählen, ob wir nun vier Jahre alt sind oder neunzig. Wenn wir von uns erzählen, spüren wir uns verbunden mit denen, die zuhören. Wir fühlen uns voller Leben.

Aber kann diese Freude am Erzählen und Hören auch die Grenze zwischen Jung und Alt überwinden? Zwischen Kindergartenkind und Urgroßeltern? Zwischen orientierten und Menschen mit Demenz?

Nach acht Monaten Projektlaufzeit „Wenn Bilder erzählen“ kann ich Ihnen die Antwort geben: JA!

Wir haben Grenzen überwunden. Wir sind gemeinsam mit dem Ballon zum Weihnachtsmann geflogen und haben nasse Hunde trocken gefönt. Wir reisten mit dem fliegenden Koffer nach Las Vegas und lernten das Eichhörchen „Eichhörnchen“ kennen. Wir – das sind sechs Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Ledenhof Osnabrück, sieben Kinder und die Erzieherin Sabine Ellermann des Kindergartenvereins Marianne Schlief e.V. Osnabrück, zwei Kinder und Karola Burger von der Lesewelt Osnabrück e.V., die Erzählerin und Betreuungskraft Ulrike Kamlage aus dem Haus Ledenhof und ich, die Erzählerin Sabine Meyer.

Acht Monate und fünfzehn Gruppentreffen, zweiundzwanzig Köpfe und hundert Gedanken ergeben zusammen das Buch voller Bilder und Geschichten, das wir am 4. Juli 2014 bei der Abschlussveranstaltung Angehörigen, Verwandten, Bekannten, Freunde und der Presse vorgestellt haben.

Geschichten wie die Geschichte von Maria und Anna auf dem Bauernhof, auf dem ein Kälbchen geboren wurde. Oder die Geschichte von Lauras Geburtstag, an dem Laura einen roten Luftballon geschenkt bekam. Oder von der kleinen Antonia, die sich gelbe Holzschuhe wünschte. Geschichten voller Farben, Fantasie und Poesie.

Doch die schönste Geschichte des Projektes kann ich erst jetzt erzählen. Die Geschichte der glänzenden Augen, des Lachens und des Stolzes der kleinen und großen Geschichtenerfinder, ob vier oder neunzig Jahre alt, ob Kindergartenkind oder Urgroßeltern.

„Mein Sohn heißt genauso wie der Junge in der Geschichte!“ erzählt eine große Geschichtenerzählerin stolz und in ihren Augen glänzt es. „Mama, da schau mal, da ist unser Eichhörnchen Eichhörnchen!“ berichtet eine kleine Geschichtenerzählerin, während ihr Finger auf das Eichhornchen auf dem Foto zeigt. „Wer hätte gedacht, dass wir noch in unserem Alter ein Buch schreiben“, sagt ein großer Geschichtenerzähler und vertieft sich in das Buch auf seinem Schoss.

Und wieder denke ich: Märchen und Geschichten können nur leben, wenn sie erzählt werden. Lasst uns alle zusammen erzählen, damit wir unsere Welt ein bisschen bunter und fröhlicher machen. So fröhlich wie das Lachen der Kinder und der Bewohnerinnen und Bewohner, als sie zum ersten Mal ihre Geschichten in einem Buch wiederfanden.

Die Broschüre “Wenn Bilder erzählen” ist leider vergriffen. Sie kann aber kostenlos beim Erzähltheater Osnabrück als PDF-Datei angefordert werden. Zudem kann beim Erzähltheater Osnabrück ebenfalls kostenlos ein Leitfaden zu dem Projekt “Wenn Bilder erzählen” als PDF-Datei angefordert werden. Der Leitfaden zeigt den Ablauf des Projektes, die Vorgehensweise und die Entstehung der Geschichten auf.

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